Fundtier- bzw. Nottieraufnahme – was bedeutet das eigentlich?

Heute morgen erkundigte ich mich freundlich bei jemandem, dessen Tier zum wiederholten Male weggelaufen ist, ob es wohlbehalten wieder da sei. Was folgte war eine Schimpftirade über mich und „meine Abzocke“. Ich erklärte sachlich, dass der Vertrag zur Aufnahme von Fundtieren von der Stadt ausgehend ist und dass man sich dort bei Problemen gern melden könne, wurde dann aber weiter beschimpft. Es wäre ja keine Arbeit, und was da eigentlich 20 € kosten solle, wenn ich mal „ne Stunde einen Hund hätte“. Und überhaupt, eine Quittung habe man ja auch nicht erhalten.

Das Gespräch fand übrigens im Beisein meines und seines Kindes statt!

Ich blieb weiterhin sachlich und bot an, jederzeit die Rechnung noch einmal auszudrucken und die Quittung noch mal zu kopieren, wenn das gewünscht ist, das wurde aber abgewiegelt. Erläuterungen zum Preis wollte man nicht hören und wurde immer beleidigender, woraufhin ich mein Kind nahm und das Gespräch verließ.

Und ich möchte ehrlich sein, es geht mir aufgrund dieses Vorfalles heute wirklich schlecht. Zumindest war dieser Vorfall der Tropfen, der das Faß zum überlaufen brachte.

Ist es Abzocke?

Ich erzähl euch jetzt mal, wie das mit den Fundtieren und Nottieraufnahmen abläuft, spreche über Alternativlösungen und dann dürft ihr das jetzt mal entscheiden.

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Giftköder

In letzter Zeit gab es vermehrt Meldungen über Giftköderfunde, meist in Heiligenhafen, aber ein oder zwei Mal sei auch auf der Insel Verdächtiges beobachtet worden, heißt es.

Trotz zwischenzeitlich großem Pressetrubel hat man den oder die Schuldigen noch nicht gefunden und viele Hundehalter sind nun zu Recht verunsichert, wo und vor allem WIE sie mit ihren Vierbeinern gefahrlos ihre Runden drehen können.

Doch nicht nur ausgelegte Giftköder können ein dramatisches Problem darstellen. Nein, mittlerweile gibt es sogar Menschen, die einem fremden Hund beim Spaziergang ein mit Gift oder Nägeln gespicktes Leckerchen aus der Hand füttern, nachdem sie den Besitzer um Erlaubnis gebeten haben. Eine weitere Möglichkeit: Stellen Sie sich vor, ihr Hund reagiert allergisch auf bestimmte Futtermittel. Würden Sie wollen, dass er irgendetwas vom Boden aufsammelt, ohne dass Sie wissen, es sind keine Allergie-Auslöser enthalten?

Das alles sind gute Gründe dafür, sich über diese Thematik Gedanken zu machen. Sicher, es gibt Hunde, die sind nur schwer mit Futter zu beeindrucken. Aber ausgelegte Köder sind meist in etwas für den Hund besonders Verführerisches verpackt. Und die meisten Hunde sagen dazu ja doch nicht Nein.

Was also tun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Training aufzubauen, dessen Ziel es ist, dass der Hund nichts mehr von Fremden oder vom Boden nimmt, bevor Sie nicht Ihr okay dazu gegeben haben. Das klappt, je nach Charakter des Hundes und den vorher gesammelten Lernerfahrungen bei dem einen gut, bei dem anderen etwas langsamer. Jedoch muss man meist ein wenig Zeit in das Training absolvieren.

Als erste Hilfe im akuten Fall, empfehle ich meinen Kunden, vorläufig eine Maulkorbgewöhnung vorzunehmen und den Hund dann derart gesichert spazieren zu führen. Das klingt zwar für viele erst einmal befremdlich, ist aber eine schnelle Lösung. Die anderen Lösungswege kann man sich dann in Ruhe und ohne Druck erarbeiten.

Für diese Erarbeitung bietet sich ein Anti-Giftköder-Kurs an. In diesem lernen Sie nicht nur verschiedene Techniken und Trainingswege kennen, sondern Sie bekommen auch umfangreiches Wissen vermittelt, wie sie beispielsweise eine Vergiftung erkennen, und was Sie dann tun müssen, um Ihrem Hund zu helfen.

Bei der Wahl eines Anbieters sollten Sie darauf achten, dass im Training nicht mit Schreckreizen gearbeitet wird, hier gilt dasselbe wie in allen anderen Ausbildungen. Diese Reize setzen den Hund unter Stress und lösen eine Blockade im Gehirn aus, durch die er die Zusammenhänge nicht erkennen kann.

Wenn Sie Interesse an meinem Anti-Giftköder-Kurs haben, rufen Sie mich an.

Tier im Bett

Eine Frage, die anscheinend viele Tierbesitzer beschäftigt ist, ob es in Ordnung ist, wenn das Tier mit im Bett oder auf dem Sofa liegt.

Immer wieder kommt es in meinen Beratungen zur Ansprache und in den meisten Fällen merkt man den Tierhaltern deutliche Schuldgefühle an, weil sie ihr Tier unrechtmäßig verwöhnen. Weil sie in den Medien immer wieder hören, ein Hund oder auch eine Katze habe im Bett nichts zu suchen, es würde die Rangordnung zerstören und das Tier fühle sich dann als Chef.

Diese Aussage möchte ich so nicht unterstützen. Ein absolutes No-Go ist es definitiv, wenn das Tier seinen Liegeplatz gegen den Tierhalter oder andere Familienmitglieder verteidigt und sich nicht wegschicken lässt. Von dieser einen – und eher selten auftretenden – Situation einmal abgesehen, finde ich es recht unproblematisch, wenn Hund und Katze mit seinem Besitzer das Bett teilen. Im Gegenteil: Bei Hunden ist das sogenannte Kontaktliegen ein wichtiger Teil des Sozialverhaltens, welches unter anderem zur Stärkung der Bindung untereinander führt.

Und die meisten Tierbesitzer mögen es auch sehr gern, mit ihrem Tier zu kuscheln und zu schmusen. Für mich ist das also meistens kein Problem, wenn es für alle Beteiligten in Ordnung ist.

Und das ist dann meistens der Punkt, den man einmal genauer unter die Lupe nehmen muss. Über den man sich am besten schon vor dem Einzug des Tieres Gedanken machen sollte. Der Hund versteht Regeln und kann sich an diese halten, solange das auch alle anderen tun. Problematisch wird es, wenn Frauchen den Hund auf die Couch holt und Herrchen ihn nicht dort haben will. Das kann der Hund dann nicht wirklich nachvollziehen und sollte vorher geklärt werden.

Entweder darf der Hund IMMER auf die Couch oder gar nicht. Man sollte dann nur bedenken, dass IMMER auch den Fall impliziert, wenn der Hund vorher beim Spaziergang durch Matschpfützen getobt ist. Der Hund kann nicht verstehen, warum er dann ausgeschimpft und fortgejagt wird. Es ist also an uns Tierhaltern diese Situation vorher zu umgehen, indem man den Hund zum Beispiel direkt nach dem Spaziergang erst einmal abtrocknet oder ggf. abduscht, BEVOR er die Möglichkeit hat, es sich auf seinem Lieblings-Liegeplatz auf der Couch oder im Bett bequem zu machen.

Es ist also wieder am Tierhalter sich VORHER Gedanken zu machen, anstatt HINTERHER das Tier zu bestrafen.

Über den Einsatz von Erziehungshilfen…

Schaut man sich in der Fachwelt um, gibt es eine Fülle von Trainingshilfen. Besonders beliebt sind Hilfsmittel wenn es um die Leinenführigkeit geht. Es gibt unzählige verschiedene Forme von Hilfsmitteln: Anti-Zug-Halsbänder, Sprühhalsbänder, Halti, Anti-Zug-Geschirre, Thunderleash, Leinen mit Signaltönen….um nur einige zu nennen.

Die Auswahl ist also groß genug und eine einfache Lösung des Leinenführigkeits-Problems greifbar nah.

Schaut man sich jedoch die einzelnen Sachen genauer an, muss man als fachkundiger Mensch ganz klar sagen, dass vieles was verkauft wird, zum Teil ungeeignet – und sogar teilweise tierschutzwidrig ist und von daher nicht angewendet werden darf. Wenn wir uns z.B. das ganz klassische Würgehalsband ohne Stopp ansehen, so darf dieses vom Tierschutzgesetz her bei dauerhaft an der Leine ziehenden Hunden eigentlich so gar nicht verwendet werden, denn im Tierschutzgesetz § 3 Abs. 5 heißt es ganz klar: „Es ist verboten, ein Tier auszubilden oder zu trainieren, sofern damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind“

Übrigens trifft das auch auf einige Anti-Zug-Geschirre zu, die zwischen den Vorderläufen einen Druck ausüben, der zu Verletzungen führen kann. Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass alles, was im Handel erhältlich ist, auch dem Gesetz entspricht.

Es gilt also, BEVOR man zu einem solchen Hilfsmittel greift, erst einmal Klarheit zu schaffen, WIE die einzelnen Hilfsmittel wirken und zu entscheiden, ob dies noch im Rahmen des Tierschutzgesetzes ist oder nicht. Erfahrungsgemäß fallen her schon 75 % der Hilfsmittel aus der Auswahl heraus.

Der zweite Punkt, den es immer zu bedenken gilt, der aber zu gern von den Hundehaltern vergessen wird, ist der, dass wir von einem Hilfsmittel sprechen. Egal von welchem der Hilfsmittel wir sprechen, es erzieht den Hund nicht. Das ist unsere Aufgabe als Hundehalter. Daher ist es auch logisch, dass ein Hund, bei dem ein Hilfsmittel plötzlich nicht mehr angewendet wird oder werden kann, ganz simpel gesagt wieder an der Leine zieht.

Ein Hilfsmittel ist dazu da, uns zu HELFEN, bis wir ein entsprechendes Verhalten mit unserem Hund eingeübt haben. Es sollte uns aber nicht die Arbeit abnehmen.

Mangelnde Leinenführigkeit ist auch in meinem Kundenstamm ein häufiges Problem. Und auch ich empfehle dann eventuell den Einsatz eines geeigneten Hilfmittels – vorrübergehend. Um es Hund und Halter zu erleichtern. Um (weitere) schlechte Erfahrungen zu vermeiden. Mir fallen da als Beispiel 2 Hunde/Halter-Teams ein:

1. 70 Kilo Hund im besten Junghundehalter gegen 55 Kilo schwere, ältere Dame. Natürlich könnte man sagen: Kein Hilfsmittel, Training! Aber wie oft stürzt die Frau, zieht sich Verletzungen zu (und fällt damit das Training aus) und leidet mental (weil sie irgendwann Angst bekommt, mit dem Hund spazieren zu gehen), bis die Leinenführigkeit zur Zufriedenheit beim Hund sitzt?

2. 34 Kilo Hund der sehr nervös an der Leine ist und unberechenbar in die Leine springt. Frauchen landete bereits im Wildzaun, weil Hund ein Reh oder ähnliches in der Dämmerung gesehen hat. Gerade solche wild herumspringenden Hunde sind ein Risiko an der Leine, wenn man sie nicht kontrollieren kann. Und nicht nur da. Nachdem Hund seinem Frauchen einen Muskelfaserriss oder ausgekugelte Schulter beschert hat, lässt sie vielleicht die Leine los und der Hund rennt dem Reh auf die Straße hinterher direkt vor ein Auto….

Ich hätte noch mehr Beispiele, denn wie bereits gesagt, ist das Thema Leinenführigkeit ein Dauerbrenner in der Hundeerziehung.

Ich für meinen Teil finde den Einsatz von geeigneten Hilfsmitteln durchaus legitim, wenn es
a) darum geht, Szenarien zu vermeiden, die mit Verletzungsrisiko oder sonstigem Risiko für Hund, Halter oder andere Personen einhergehen und
b) klar ist, dass ein paralleles Training der Leinenführigkeit erfolgt, denn das Ziel sollte immer sein, OHNE Hilfsmittel einen gut führbaren Hund an der Leine zu haben.

Der (Angst-)Hund ist weg

Der Hund ist weg!

Eine furchtbare Vorstellung, wenn das eigene Tier verschwunden ist. Noch furchtbarer wenn man es mit einem verschüchterten Hund zu tun hat, der noch dazu erst seit kurzem in Deutschland ist. Und selbstverständlich, dass man Hilfe sucht und die auch in einem Übermaß findet.

Aber genau hier gilt es, die Nerven zu bewahren.

Ein verschüchterter, scheuer Hund und Suchtrupps, bestehend aus mehreren Menschen die nach ihm rufen und dazu noch mehreren Hunden (die von außen betrachtet ein Rudel und damit eine Bedrohung darstellen) – passt das wirklich zusammen?

Ich glaube nicht. Und es wäre nicht das erste Mal, dass eine solche Suche ganz unschön endet, weil der gesuchte Hund unbewusst auf eine Schnellstraße getrieben wird.

Keine Frage, ich finde es total toll, wie viele Leute bereit sind zu helfen und ihre Freizeit opfern für einen fremden Hund und seine Besitzer. Aber ob DIESE Form der Hilfe wirklich die richtige für das Tier ist? Vielleicht sollte man sich viel mehr fragen, warum der Hund trotz der ganzen Suchaktionen bisher noch nicht aus seinen Verstecken herausgekommen ist? Vielleicht ist es viel sinnvoller das ganze mit etwas mehr Ruhe und Umsicht anzugehen. Sichtmeldungen weiterzugeben und dann eine Futterstelle einzurichten? Oder vielleicht sogar eine Lebendfalle aufzustellen als den Hund immer weiter fortzutreiben?

Nur eine Überlegung…